Querfeldein

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Hayko Spittels malerische Neuerfindung des Heimatbildes

Kunstausstellung vom 04.01.2012 bis 29.01.2012

Stadtgalerie Bad Soden Taunus, Badehaus im Alten Kurpark, Königsteinerstr. 86
Öffnungszeiten der Ausstellung: Mi, Sa, So, von 15.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei

Mehr Informationen unter 06196/82121

Weitere zusätzliche Termine:

Bergfest am Sonntag den 15.01.2012

Lernen sie den Künstler persönlich kennen. 15:00 bis 17:00 Uhr der Künstler führt durch seine Ausstellung.
Zum Ausklang ab 17:00 Uhr, Kostproben, Live Musik mit soulig-rockigen und bluesigen Klängen,
Hayko Spittel u. Sängerin Ute Jeuter.

Finissage am Sonntag den 29.01. 2012

15.00 bis 18.00 Uhr, der Künstler freut sich auf Gespräche mit Ihnen.

Kunst – Infobrief X / 2011  Kunstbrief Winter 2011/12

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Einzelausstellung / Hayko Spittel: Aktuelle Arbeiten, Malerei

Liebe Kunstfreundin,
lieber Kunstfreund,

Mit Ihren Bildern und Skulpturen hat Carin Grudda ein großes Echo in Bad Soden, beziehungsweise bei Ihren Sammlern im Rhein – Main - Gebiet hervorgerufen. Insbesondere als Ihre Berufung zur 54. Kunst – Biennale Venedig 2011 bekannt wurde, reisten Sammler von weit her, zu unserer Ausstellung im Badehaus in Bad Soden, ein würdiger Ausstellungsort. Carin Grudda und die Galerie Elzenheimer verbindet eine über 15 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit. Ich freue mich über Ihre Nominierung, ein so glaube ich vorläufiger Höhepunkt Ihrer Schaffenszeit. Wir freuen uns schon jetzt auf neue Projekte die wir gemeinsam im nächsten Jahr umsetzen werden.
Insbesondere freue ich mich über den großen Zuspruch für unser Begleitprogramm „ Pegasus und seine Freunde“ zu Carin Grudda`s Ausstellung.
In Workshops, Führungen für Kinder, Senioren und Behinderte entstanden zahlreiche Kunstwerke, die wir in einer separaten  Ausstellung in der Stadtgalerie Bad Soden präsentieren durften.


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Hayko Spittels malerische Neuerfindung des Heimatbildes

Kann es Schöneres geben? Als solche Ansichten wie diese, die wir reflexartig romantisch nennen? Denn auf den ersten Blick kann man kaum anders, als Hayko Spittels aktuelle Werkgruppe vor allem schön und malerisch zu nennen. Glühende, von letzten Sonnenstrahlen verzauberte Waldinterieurs, das herbstliche Licht über weiten Feldern, Berge dann und wann und Hügel, die vertraut erscheinen, große Himmel, Wolken, Licht und Schnee. Wie kann man, mögen böse Zungen sagen, dergleichen heute überhaupt noch auf die Leinwand bringen? Warum, wozu, zu welchem Zweck? Und was will uns der Künstler damit sagen, jenseits pittoresker Schilderung der heimatlichen Landschaft?
Freilich, als Hayko Spittel vor zehn Jahren „200 Jahre Offenbacher Impressionismus“ feierte, mochte man auch das zunächst für blanke Ironie halten. Schließlich hat Offenbach mit der Moderne augenscheinlich wenig mehr am Hut, als die Teilhabe an einer inzwischen auch schon weitgehend abgewickelten Industriemoderne. Und um 1800 malte, wer sich von Frankfurt den Main herauf einmal nach Offenbach verirrte, vermutlich bevorzugt biedermeierlich und schüttelte den Kopf vor der radikal mit den Traditionen brechenden Romantik. Von der erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit den Künstlerkolonien etwa in Barbizon oder – wenngleich deutlich konservativer - hier um die Ecke in Kronberg aufkommenden Freilichtmalerei zu schweigen.
Indes, angesichts der folgenden Werkgruppen und erst recht angesichts der aktuellen Landschaften und Waldinterieurs, die Spittels Malerei in den vergangenen Jahren vor allem prägen, stellt sich die Sache anders dar.

Denn Spittel nimmt die Malerei gerade wie die Kunstgeschichte, das jeweilige Genre, banale wie erhabene Motive durchaus ernst. Und erweist sich trotz der sichtlich der Gegenwart entlehnten Weltbetrachtung in seinem zeichnerischen wie dem malerischen Werk gleichsam konzeptuell der klassischen Moderne verpflichtet. Nicht, weil ihm der Impressionismus nicht historisch wäre.
Die Anklänge, die hier auf Cézanne, dort auf Monet, mitunter auch auf den Expressionismus und namentlich auf Ernst Ludwig Kirchner verweisen, dem Spittels Blick auf die Natur viel verdankt, sind denn auch weniger stilistischer Reflex, als Ausdruck einer künstlerischen Haltung. Einer Haltung, die sich selbst bei den Schicht um Schicht angelegten und also über Wochen und Monate entstehenden Gemälden durch Spontaneität ebenso auszeichnet, wie sie in der Zeichnung und bei den handlicheren Formaten in der Liebe zur Malerei „sur le motif“ und also der reichlich anachronistisch sich ausnehmenden Pleinairmalerei sich äußert mit ihren von Stunde zu Stunde und im Wechsel der Jahreszeiten sich immer neu und anders darstellenden Lichtverhältnissen und Farbvaleurs.
Worum es geht aber in Spittels Malerei jenseits derlei thematischer, im Grunde vornehmlich formaler Fragen, jenseits auch von Ironie und tieferer Bedeutung ist eine Frage der Verantwortlichkeit. Und mithin, um mal ein schönes, ziemlich aus der Mode gekommenes Wort zu zitieren: der Aufrichtigkeit. Denn der Blick des Künstlers auf die Welt, auf Landschaft, Wald und Hinterhofidyllen, die er buchstäblich „querfeldein“, mit Pinsel, Farbe, Leinwand im Gepäck erkundet, beschönigt nichts, im Gegenteil. Selbst dort, wo der Wald still steht und schweiget, das abendliche Licht die auf den ersten Blick so pittoresk sich gebende Natur verzaubert, ist es mit der vordergründigen, in einem trivialen Sinne sich entfaltenden Romantik der Motive nicht so arg weit her.
Manches auf diesen fest in der Gegenwart verankerten „Heimatbildern“ ist im Gegenteil motivisch  nicht im Sinne Robert Gernhardts hässlich, so doch wenigsten banal. Wie aber sonst? Ist doch das, was wir Natur nennen, im Kern stets Landschaft, soll heißen: gestaltete, zivilisierte, von Straßen, Autobahnen, Wirtschaftswegen, von Leitplanken und Verkehrsschildern gerahmte und im Zaum gehaltene Idylle. Und den Vordertaunus, all die weiten Felder, Äcker, Streuobstwiesen mit ihren pittoresk hin gewürfelten Häusern, all das sieht man mit dem Blick des Malers nicht als pittoreske Landschaft oder zeitlos konservierte Bauernkaten, sondern als die Randzonen einer fortschreitenden Suburbanisierung.
Das Ende der Kronberger Malerkolonie, soll der alte Anton Burger einmal gesagt haben, habe begonnen, als die Bauern begonnen hätten, ihren Mistkauten in Beton zu fassen. Denn dann war Schluss mit den seinerzeit so begehrten Genrebildchen, wie sie Burger oder Dielmann liebten. In Spittels Malerei aber wird gerade umgekehrt ein Schuh daraus. Geparkte Autos, Glascontainer und ein von Gewerbebauten gerahmter Hinterhof, grandiose Himmel, der Altkönig und eine Hochhaussiedlung am weiten Horizont, kurzum: Die gefasste Mistkaute, um im Bild zu bleiben, ist ihm geradeso bildwürdig wie das verwunschene Waldinnere und ein offenes, von sanften Hügeln eingefasstes Panorama.
Romantisierend, schönfärberisch also ist nichts an diesem Malerblick. Vielmehr erweist er sich immer wieder als verbaut, die Sehnsuchtsvorstellung der unberührten Natur als durch die Realität immer schon gebrochen. So, wie er in der zersiedelten Landschaft eben ist. Und mithin als ganz und gar von unserer Welt. Diese Brüche nicht zu übertünchen, sondern, wie in den mehrteiligen Blättern, in die Komposition mit einzubeziehen, ist dabei nur eines der formalen künstlerischen Mittel. Denn die Motive mögen banal sein, für Spittels Malerei gilt das beileibe nicht. Dass sie sich immer als solche zu erkennen gibt, spontane Gesten, Farbrinnsale, -spritzer und –Verläufe absichtsvoll stehen bleiben und kompositorisch eingebunden sind, erscheint vielmehr als die formale, in Stil und Duktus manifest werdende Kehrseite der Wahrnehmung von Wirklichkeit. Denn ob Taunus, Glascontainer oder die Einfamilienhäuser in den Schlafstädtchen des Frankfurter Speckgürtels,  gleichviel: Kunst ist diese Schilderung einer gestalteten Landschaft nicht per se. Als Kunst erweist sie sich erst in der Malerei.

Sie sind herzlich eingeladen in unserer Ausstellung in der Stadtgalerie, Badehaus im alten Kurpark, Bad Soden am Taunus, vom 04.01.2012 bis 29.01.2012
Zu sehen was in der Nähe ist …

Herzlichst, Ihr
Peter Elzenheimer


Impressum
Herausgeber: Peter Elzenheimer
Text: Christoph Schütte, Peter Elzenheimer

Copyright 2011